Stipendiaten 2005
Björn Menze und Simone Mühl

- Björn Menze und Simone Mühl
Projekttitel: Archäologische Satelliten-Fernerkundung in der automatischen Detektion frühzeitlicher Siedlungsplätze des Nahen Ostens
Hochschule: Universität Heidelberg
Studiengang: Physik (Promotion), Ur- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie, Assyriologie
Kurzbeschreibung
Auf einer Reise durch die Türkei, beispielsweise durch die Konya-Ebene im zentralanatolischen Hochland etwa 150 km südlich von Ankara, fallen dem interessierten Beobachter charakteristische Erhebungen in der von Bergen eingerahmten, flachen Landschaft auf. Die meisten haben Fußballfeldgröße, erreichen manchmal aber auch einen halben Kilometer Durchmesser, und überragen ihre Umgebung um Höhen von fünf bis 50 Metern. Diese Hügel sind menschlichen Ursprungs und Teil eines Phänomens, das sich vom Balkan über den Vorderen Orient bis nach Indien erstreckt.
Diese im Balkan „Mogula“, im Arabischen „Tell/Tall“ und im Türkischen „Höyük“ oder „Tepe“ genannten Erhebungen sind die Überreste von Siedlungen aus vorgeschichtlicher und früher historischer Zeit. Sie dokumentieren ausgezeichnete Punkte wiederholter, häufig Jahrtausende währender menschlicher Besiedlung und sind unter anderem auf die in jenen Regionen vorherrschende Lehmbauweise zurückzuführen. Die Ursprünge vieler Tells, zum Beispiel das biblische Jericho, reichen zurück bis in die ersten Phasen menschlicher Sesshaftigkeit um 8000-6000 v. Chr. und manche von ihnen markieren noch immer die Altstadt eines modernen Zentrums, wie in Arbil, Irak, oder dem syrischen Aleppo.
Björn Menze und Simone Mühl entwickeln in ihrem Projekt objektive und (semi-)automatische Methoden zur Detektion und Lokalisation nahöstlicher Tells auf Basis von Satelliten- und Fernerkundungsdaten. Ein maschinelles Auswertungssystem, basierend auf Methoden des statistischen Lernens (z.B. neuronale Netze), soll implementiert, weiterentwickelt und angewendet werden, um binnen kurzer Zeit für weite Gebiete des Vorderen Orients eine objektive Dokumentation der frühzeitlichen Siedlungshügel zu ermöglichen.

- Erfassungsmethode am Beispiel des Tells Mardikh (das antike Ebla): Das charakteristische Profil eines Tells erzeugt ein typisches „Punktmuster“ im digitalen Höhenmodell (Profile und Höhenmodell rechts, Landsat-Bilder links)

